Stickstoffhaltige Aromaten
Viele aromatische Verbindungen enthalten in ihrem Ringsystem anstelle von Kohlenstoff „Fremdatome“ wie Stickstoff, Sauerstoff oder Schwefel. Man spricht von Heterocyclen. Viele dieser Verbindungen sind besonders wichtig für die Biochemie. Hier gibt es alle möglichen Ringarten, unter anderem auch aromatische.
Im Allgemeinen haben die Fremdatome nichtbindende Elektronen. Deshalb taucht immer wieder die Frage auf, inwieweit das freie Elektronenpaar zum Beispiel des Stickstoffatoms bei der Mesomerie der p–Elektronen des betreffenden aromatischen Systems eine Rolle spielt.
An den Beispielen von Pyrrol sowie Pyridin wollen wir erklären, wie die Mesomerie zustande kommt und wie die Grenzstrukturen aussehen. Außerdem soll noch das Anilin besprochen werden, obwohl es nicht zu den Heterocyclen gehört.

Bild 1
Alle drei Verbindungen enthalten im Ring 6 p –Elektronen und
folgen damit der Hückel-Regel für n = 1. Diese Struktur ist besonders stabil.
Die Moleküle versuchen stets, diesen energiearmen Zustand zu erreichen.
1. Pyrrol erreicht die 6 p –Elektronen
durch Hineinschieben seines Elektronenpaars in den Ring. Es kann so eine Doppelbindung aufbauen. Es
schiebt dadurch die Elektronen des Rings auf das jeweils nächste C-Atom. Die C-Atome werden insgesamt
negativ geladen.

Bild 2: Mesomerie von Pyrrol
Pyrrol ist somit ein p –elektronenreicher Aromat. Typisch für Pyrrol
ist deshalb seine Fähigkeit zur elektrophilen Substitution. Es hat außerdem keine basischen Eigenschaften mehr.
2. Pyridin hat bereits von vornherein 6 p –Elektronen
im Ring und entspricht damit dem Benzol. Ein zusätzliches Elektronenpaar würde den mesomeren Zustand stören; es
entstände sonst eine Verbindung, die nicht mehr aromatisch ist. Deshalb schiebt es sein freies Elektronenpaar
nicht in den Ring.
Das N-Atom im Pyridin-Molekül zieht eher Elektronen zu sich heran als dass es sie abgibt, da es elektronegativer ist als die C-Atome. Dadurch wird es negativ geladen. Entsprechend polar sind auch einige seiner mesomeren Grenzstrukturen.

Bild 3: Mesomerie von Pyridin
Pyridin ist deshalb eine Base mit der Fähigkeit, Protonen anzulagern. Pyridin ist somit ein p –elektronenarmer
Aromat. Die C-Atome werden insgesamt positiv geladen, so dass die elektrophile Substitution fast unmöglich
ist. Wohl aber gelingt die nucleophile Substitution besser als am Benzol.
3. Anilin ist Aminobenzol. Sein Benzolring trägt eine Aminogruppe.
Deren N-Atom stellt seine Elektronen aber nicht (wie beim Pyrrol) vollständig dem Ring zur Verfügung, sondern richtet
mehr oder weniger eine Doppelbindung zwischen sich und dem C-Atom auf. Es handelt sich um einen Substituenten 1. Ordnung,
also um einen, der Elektronen in das bereits existierende aromatische System drückt. Mit diesem induktiven Effekt (+I-Effekt)
fördert die Aminogruppe die Mesomerie des gesamten Ringsystems. Man spricht von einem +M-Effekt.
Wegen der Verschiebung des freien Elektronenpaars reagiert Anilin nur in saurem Milieu als Base. Der pKa-Wert
beträgt deshalb nur 4,63.

Bild 4: Mesomerie von Anilin
4. Purin Zur Mesomerie dieses Bicyclus lies die Frage 1625.
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