Brandwaffen
Es ist sicherlich nicht zu gewagt, folgendes zu behaupten: Das Benutzen von Bränden als Angriffswaffe oder zur Abwehr ist so alt wie die Geschichte des Feuers selbst und somit charakteristisch für den Verlauf der menschlichen Entwicklung. Die ersten Menschen, die mit Feuer umzugehen gelernt hatten, werden auch schnell die andere Seite der Medaille erkannt haben: Kampf gegen Höhlenbären, gegen nachtaktive Tiere - oder Einsatz auch gegen feindlich gesinnte oder gegen ahnungslose, als Aggressionsopfer dienende Artgenossen...
Das betraf nicht nur die "klassischen" Holzbrände, also das Schwingen der bekannten brennenden Holzkeule. "Verfeinern" konnte man den Effekt durch Eintunken in Talg.
An manchen Orten gab es Erdpech - also Erdöl. Der griechische Name für Erdöl, naphtha, stammt vom assyrischen nabatu, brennen, leuchten. Denn das Erdöl wurde vor allem als Leuchtmittel und schon früh als Kriegswaffe eingesetzt. Beim Anzünden entstehen auch heute noch fast unlöschbare Erdölbrände, die nicht nur hohe Temperaturen entwickeln, sondern auch viel rußenden und giftigen Qualm. Solche Ölbrände dienten schon in den Zeiten der Sumerer, Assyrer und Babylonier und auch Hethiter als Angriffswaffen oder durch ihre Rauchentwicklung als Abwehrsysteme - und wie wir gegenwärtig sehen: Sie sind leider allesamt Impulsgeber für das moderne irakische Geschichtsbewusstsein. Wir kennen die Bilder aus den Schreckensszenarien der beiden Golfkriege.
Hier ist aber auch das aus dem westlich orientierten Kulturkreis stammende griechische Feuer zu nennen, regelrechte Flammenwerfer. Es wurde bis zum 15. Jahrhundert im Kampf gegen die osmanischen Schiffe eingesetzt. Seine Zusammensetzung war lange Zeit das Staatsgeheimnis im byzanthinischen Reich. Deshalb findet man dazu auch verschiedene Angaben und Vermutungen. Einige Quellen sprechen von Erdölbestandteilen, andere von Mischungen aus Schwefel und Salpeter. Vielleicht war es auch alles zusammen ("Pech und Schwefel"). Im Verlaufe des zweiten Kreuzzugs setzte Saladin bei der Belagerung von Akkon (1187) seine (durch Verrat erworbene) Version der griechischen Feuers ein: Erdöl vermischt mit Baumharz. Es soll hinsichtlich seiner Wirkung und Haftfähigkeit dem Napalm entsprochen haben.
Aus dem griechischen Feuer und aus den auf Belagerer ausgeschütteten Pechtöpfen entwickelte sich die moderne Technologie der Brandwaffen.
Da gab es zunächst die Phosphorbomben. Das waren eigentlich nur Kanister, die in Schwefelkohlenstoff gelösten weißen Phosphor enthielten. Beim Aufplatzen und damit beim Kontakt mit Luftsauerstoff entzündete sich das Gemisch. Wahrscheinlich fast jeder Chemielehrer kennt entsprechende Versuche.
Dann nutzte man zur Waffenproduktion auch das alumothermische Verfahren. Diese Thermitbomben waren wegen ihrer hohen Temperaturentwicklung besonders gefürchtet.
Last but not least gab es das Napalm. Dem haben wir eine eigene Webseite gewidmet.
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