Warum bilden die Lanthanoide eine Elementgruppe?
Eine Elementgruppe umfaßt mehrere Elemente, die verwandte
chemische Eigenschaften, wie vor allem gleiche Wertigkeiten,
besitzen.
Die systematische Zusammenfassung der Elemente zu Elementgruppen
bereitete den Chemikern lange Zeit Schwierigkeiten, bis 1869
unabhängig voneinander D. I. Mendelejew und L. Meyer ein
Schema entwickelten, welches die Basis unseres heutigen
Periodensystems der Elemente (PSE) darstellte.
Mendelejew vermochte sogar aufgrund der Position der damaligen
"Lücken" des PSE die Existenz und die chemischen
Eigenschaften noch nicht entdeckter Elemente vorherzusagen.
Auch die große Zahl der seit 1869 entdeckten Elemente konnte
in diese Urform des PSE integriert werden, jedoch blieb das
zugrunde liegende Prinzip der Ordnung der Elementgruppen bis zur
Entdeckung des Neutrons im Jahre 1930 und der damit verbundenen
Aufklärung des Atombaus nicht völlig geklärt.
Mittlerweile ist bekannt, dass die Zahl der Elektronen auf
den äußersten Elektronenschalen die chemischen
Eigenschaften eines Elementes definieren und der Aufbau der
inneren Elektronenschalen die chemischen Eigenschaften deutlich
geringer beeinflußt.
So weist z.B. das Halogen Chlor (Elektronenkonfiguration (Ne)
3s2 3p5) vergleichbare chemische
Eigenschaften wie Fluor ((He)2s2 2p5),
Brom ((Ar) 4s2 3d10 4p5) und
Iod ((Kr) 5s2 4d10 5p5)
auf, denen je ein Elektron zur Vollendung der
Edelgaskonfiguration fehlt, ähnelt jedoch
keineswegs dem Chalkogen Schwefel ((Ne) 3s2
3p4) oder gar dem Edelgas Argon ((Ne)
3s2 3p6).
Bei näherer Betrachtung der leichteren Elemente (bis
Ordnungszahl 57) zeigt sich, dass zwei Elemente mit
benachbarter Ordnungszahl stets deutlich verschiedene chemische
Eigenschaften aufwiesen, da sie auch jeweils verschiedene
Anzahlen von Valenzelektronen auf der äußersten
Schale besitzen.
Wie kann es nun kommen, dass die folgenden 14 Elemente (Cer
bis Lutetium) erstmals eine Elementgruppe aus Elementen
benachbarter Ordnungszahlen bilden?
Für die chemische Verwandtschaft der Lanthanoiden muss
nach dem zuvor Gesagten sich eine Ähnlichkeit der
äußeren Elektronenschalen verantwortlich sein, bleibt
jedoch die Frage, wo denn die zusätzlichen Elektronen
untergebracht werden?
Diese Tatsache ist durch eine Besonderheit des Atombaus der
Lanthanoiden begründet.
Während bei allen Elementen, deren Ordnungszahlen kleiner als
58 sind, die Elektronenschalen von innen nach außen besetzt
werden, werden bei den Lanthanoiden erstmals (und später
auch bei den Actinoiden) die inneren 4f-(bzw 5f-) Orbitale mit
Elektronen besetzt.
Von diese 4f-Elektronen stehen, da sie in einer inneren
Elektronenschale gelegen sind, nur eins oder maximal zwei als
Valenzelektronen zur Verfügung.
Dieses führt dazu, dass die vorherrschende
Oxidationsstufe der Lanthanoiden +3 ist, häufig sind auch +2
und +4, ebenso ist eine geringe Anzahl
nichtstöchiometrischer Verbindungen bekannt (z. B. Nd6O11,
Tb4O7).
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