Photosmog und bodennahe Ozonbildung
Experimente:
Versuch: Abbau von Ozon durch Benzinbestandteile
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Eine täglich aktualisierte Karte von Deutschland mit den maximalen troposphärischen Ozonwerten gibt das Umweltbundesamt http://www.umweltbundesamt.de heraus. Dazu klickt man an: Graphische Versionen/Daten und Fakten/Themengebiete/ Ozondaten:... |
Bei schönem und austauscharmen Hochdruckwetter
erhält man einen atmosphärischen Zustand, den man als
Photosmog bezeichnet. Photo(chemischer) Smog entsteht,
wenn katalytische Mengen von Stickoxiden
mit CO oder Kohlenwasserstoffen intensiver Sonnenstrahlung ausgesetzt
werden. Dabei bilden sich Photooxidantien (Bild 8) und stark
oxidierende Stoffe wie Ozon und Radikale. Diese Schadstoffe sind
schleimhautreizend und können Asthma auslösen.
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| Bild 8: Bildung von Schadstoffen |
Letztlich entstehen durch Crackprozesse
Rußteilchen, die die Luft bräunlich trüben. Hier
liegt wohl auch ein Grund für die zunehmenden Pollenallergien:
Pollen lagern die Rußteilchen an, wodurch die Verweildauer
in Lunge und auf Schleimhäuten verlängert wird und die
allergene Wirkung voll greifen kann.
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Bild 9: Ozonbildung aus Stickoxiden und
Sauerstoff |
Grundlage des Entstehens von Photosmog ist
die bekannte Tatsache, dass Stickoxide mit Sauerstoff unter UV-Bestrahlung
Ozon bilden können (Bild 9). Wenn die UV-Strahlung wegfällt, laufen die
Reaktionen in Richtung auf Ozon-Abbau ab. Dabei bilden sich
Gleichgewichtszustände aus, die Ozonbelastung bleibt deshalb insgesamt gering.
Stickstoffmonooxid baut Ozon sogar ständig wieder ab, während Stickstoffdioxid
ozonaufbauend wirkt und dabei verbraucht wird.
Allerdings wird diese Fotoreaktion durch Quellgase wie CO, Aldehyde
sowie Kohlenwasserstoffe beschleunigt. Denn deren Oxidation ist durch
zwei katalytische Kreisprozesse mit der Ozonbildung gekoppelt. Dabei wird
die Konzentration von Stickstoffdioxid ständig auf hohem Niveau gehalten,
und die Ozonkonzentration nimmt entsprechend stark zu.
Bild 10 zeigt diesen Zusammenhang.
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Bild 10: Katalytische Kreisprozesse |
HO-Radikale (Normale Konzentration: 1 Radikal auf 1018 Luftmoleküle)
geben ihr Sauerstoffatom an Kohlenmonoxid
ab, wobei ein Wasserstoffradikal H zurückbleibt. Mit Sauerstoffmolekülen
bilden sich Hydroperoxidradikale HO2, die NO zu
NO2 oxidieren. Unter Einwirkung von kurzwelligerem
Licht (Wellenlängen <420 nm) oder bei hohen Sommertemperaturen
reagiert NO2 mit weiteren Sauerstoffmolekülen
zu Ozon, das nun in Bodennähe seine umweltschädigenden
Wirkungen ausüben kann.
Der Grund ist, dass
sich in der Nacht wegen des Fehlens von UV-Strahlung die umgekehrten
Reaktionen bemerkbar machen: NOX und Kohlenwasserstoffe bauen die
Ozonmoleküle ab und machen sie unschädlich (siehe Experimente,
V 18). Da aber
in Reinluftgebieten, anders als in Ballungszentren, der verkehrsbedingte
NOX- sowie Kohlenwasserstoff-Ausstoß abends zum Erliegen kommt,
entfällt die Entgiftung, so dass die Ozonkonzentration
konstant hoch bleibt. So betrug 1990 die Ozonkonzentration in
Hamburg 184 µg/m2 Luft, in Bad Tölz 308 µg.
Dass der Ozonwert für das Ballungszentrum geringer ist
als für das Reinluftgebiet, liegt weiter nur zum Teil daran, dass
Bad Tölz höher liegt. In Hamburg ist die Stadtatmosphäre
durch Staub und Ruß derartig verschmutzt, dass weniger
UV-Strahlung die bodennahe Luftschicht erreicht und die Ozonbildung
somit reduziert wird.
Man kann diese bodennahe Ozonbildung somit
durch die Minderung der Schadstoffemission (etwa durch großräumiges,
langfristiges Autofahrverbot) drastisch einschränken. Hinzu
kommt, dass die bodennahe Ozonbildung durch die Ausdünnung
der Ozonosphäre verstärkt wird.
Die Ozonanreicherung hat aber auch schon die
Alpen und andere Reinluftgebiete erreicht. (Siehe hierzu das Themengebiet Ozondaten:
Jahresmittelwerte des Umweltbundesamtes.)
http://www.umweltbundesamt.de
Eine österreichische Briefmarke zeigt
die Thematik Abgase und Waldsterben (Bild 11). Diese 1985
herausgegebene Marke fordert zum Widerspruch heraus: Streicht
sie doch - anders als die Ökologen - die Fabrikschlote als
Hauptverantwortliche für das Waldsterben heraus. Die wirklich
hauptverantwortlichen Kraftfahrzeuge spielen optisch eine deutliche
Nebenrolle. Aus dem Block herausgelöst zeigt die Marke wieder
nur den schönen, gesunden Wald.
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| Bild 11: Abgase und Waldsterben als Thema einer österreichischen Briefmarke |
Was chemisch dahinter steckt:
Es handelt sich hier um katalysierte Reaktionen
in der Gasphase. Denn nicht nur feste oder gelöste Substanzen,
sondern auch Gase können Katalysatoren sein. Bei eingehender
Betrachtung stellt man fest, dass z. B. Stickoxide und letztlich
auch die OH-Radikale gerade deswegen in so kleinen Konzentrationen
wirken, weil sie Katalysatoren sind. Bei dem Beispiel der mit
der CO-Oxidation gekoppelten bodennahen Ozonbildung handelt es
sich sogar um zwei miteinander gekoppelte Katalysekreisprozesse.
Warum gibt es bodennahes Ozon vor allem bei Hochdruckwetter?
Das hängt mit den Vorgängen in der Atmosphäre zusammen. Erinnern wir uns daran: Auslöser der
Ozonbildung sind unter anderem die Hydroxyl-Radikale, die in der Stratosphäre gebildet werden.
Als unverzichtbare "Mitarbeiter" müssen sie zum Boden gelangen.
Um zu verstehen wie das geht, betrachten wir das Entstehen von atmosphärischen Tiefs und Hochs.
Denn durch ihre Wechselbeziehung wird der Kontakt zwischen Stratosphäre und bodennaher Troposphäre
ermöglicht und aufrecht erhalten.
Zunächst das Tief
Heiße Luft steigt lokal wie ein heißer Ballon auf, damit sinkt der Luftdruck am Boden,
es entsteht ein Tief. Die heiße Luft ist mit Wasserdampf gesättigt, daher beobachtet man
aufgrund der Abkühlung Wolkenbildung und sogar Regen. In der Stratosphäre angelangt, wird
die Luft durch Querwinde verfrachtet. Sie kühlt noch stärker ab, wird dabei dichter,
also schwerer und sinkt ab.
Und nun zum Hoch
Im Sinkgebiet der kalten Luft aus der Stratosphäre steigt am Boden der Luftdruck;
ein Hoch entsteht. Dabei erwärmt sich die Luft (wie die komprimierte Luft in der Fahrradluftpumpe)
adiabatisch. Wolken bilden sich nicht oder nur wenig, weil die Luft trocken ist und außerdem immer
wärmer wird. Die Sonne kann deshalb gut scheinen. Beim Absinken der Luft, die aus der Stratosphäre
stammt, werden Ozon und Hydroxyl-Radikale mitgeschleppt. Damit bietet das Hochdruckgebiet alle
Voraussetzungen zur Bildung von bodennahem Ozon.
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