Was ist Carbolineum?
Viele Gärtner bestreichen im Herbst ihre Holzzäune mit einer stinkenden schwarzbraunen Flüssigkeit: Carbolineum. Das soll die Zäune vor Fäulnis, vor allen möglichen Tieren und überwinternden Insekten schützen. Viele Leute haben von der Bundesbahn die alten Schwellen abgekauft. Damit haben sie ihre Gärten eingefasst oder auch schon mal Sitzgelegenheiten für die Kinderspielplätze geschaffen.
Was ist Carbolineum?
Bei der Destillation von Stein- und Braunkohle (Verkokung)
gewinnt man Teer und Teeröle. Diese enthalten unter anderem
verschiedene Phenole und Kresole. Letztere sind Phenole des Toluols. Davon sind drei verschiedene
bekannt.

Carbolineum ist eine Mischung der Teeröle mit Wasser. Die Teeröle sind nicht wasserlöslich. Es kann aber durch Zugabe von Seife, Soda oder auch Lauge eine Emulsion aus Wasser und Öl hergestellt werden. Vor allem das in den Teerölen enthaltene Phenol wirkt als Emulgator. Das Phenolmolekül besteht wie die klassischen Seifen aus einem unpolaren, hydrophoben Kohlenstoffgerüst und einem polaren, hydrophilen Teil. Durch Zugabe von alkalischen Substanzen wird die Emulgatorfunktion des Phenols noch verstärkt, da dann das Phenol ins stärker polare Phenolat übergeht.
Stillgelegtes Bahngleis mit Holzschwellen
(Foto: Helene)
Die im Carbolineum enthaltenen Phenole und Kresole wirken fäulnishemmend und desinfizierend. Außerdem wirkt Carbolineum gegen verschiedene Insekten oder deren überwinternde Brut, indem es sie in einen erstickenden Ölfilm hüllt. Deswegen wurde Carbolineum lange Zeit als konservierender Anstrich für Eisenbahnschwellen, Telegrafenmasten, Pfähle, Holzzäune und überhaupt alle möglichen Hölzer, die der Außenwelt ausgesetzt sind, verwendet. Leider ist es jedoch nicht völlig unbedenklich. Es ist nämlich stark haut- und atemwegreizend und bei längerer Einwirkung sogar krebserregend. Der Grund hierfür sind die im Carbolineum enthaltenen polykondensierten Aromaten (PAK). Deswegen ist der Einsatz von Carbolineum stark eingeschränkt und zum Teil gänzlich verboten worden.
Weitere Texte zum Thema „Phenole“