Chronologie der Kunststoffchemie


Jahr Ereignis
1530 Rezeptur des B. Schobinger für einen Kunststoff aus Milchcasein; bei Intarsienarbeiten diente er als Ersatz für Rinderhorn
1835 E. Simon destilliert Styrol aus dem Balsam des Styraxbaumes; es wird Ausgangsstoff für Polystyrol
H. V. Regnault stellt Vinylchlorid dar und beschreibt seine Polymerisation - Grundlage für PVC
1839 C. Goodyears Vulkanisation mit Schwefel macht den Kautschuk verarbeitbar
1846 C. F. Schönbein stellt Nitrocellulose dar; daraus entstehen u. a. Celluloid und Kunstseide
1856 A. Parkes meldet Patente für die Vorläufer eines Cellulose-Kunststoffs an
1860 G. Williams destilliert das Isopren, den Grundbaustein des Gummis
1861 T. Graham entwickelt das Konzept der Kolloide und damit eine Vorstellung von "Riesenmolekülen" (Polymeren)
1862 A. Parkes präsentiert auf der Londoner Weltausstellung den Cellulose-Kunststoff Parkesin, einen Vorläufer des Celluloids
1863 M. Berthelot entwickelt eine - noch ungenaue - Theorie der Polymerisation
1865 P. Schützenberger stellt Celluloseacetat her, einen Kunststoff auf Naturbasis
1870 J. W. Hyatt erfindet mit dem Celluloid den ersten industriell verwendbaren Kunststoff
1872 A. von Baeyer gewinnt aus Phenol und Formaldehyd einen Kunstharz; es ist ein Meilenstein auf dem Weg zum Bakelit
1883 J. W. Swan meldet Kunstseide auf der Grundlage von Cellulose zum Patent an
1884 Graf H. de Chardonnet stellt Kunstseide aus Collodiumwolle (Cellulosenitrat) her
G. Eastman erfindet den fotografischen Film auf Celluloidbasis
1892 Cross, Bevan, und Beadle erfinden die Viskose, aus der später "Reyon"-Kunstseide hergestellt wird
1897 W. Krische und A. Spitteler entwickeln den Casein-Kunststoff Galalith, ein Material auf Milchbasis
1899 S. Kipping erforscht organische Siliciumverbindungen - Basis für die vielfältigen Silicon-Kunststoffe
1902 C. H. Meyer stellt mit Phenol und Formaldehyd einen Ersatz für den teuren Schellack dar
1905 G. W. Miles entwickelt Celluloseacetat weiter; im ersten Weltkrieg werden damit Flugzeugtragflächen versteift
1907 L. H. Baekeland stellt aus Phenol und Formaldehyd den ersten vollsynthetischen Kunststoff her: Das Bakelit
1910 Die industrielle Produktion von Bakelit läuft in Erkner bei Berlin an
Der erste Autoreifen aus Leverkusener Methylkautschuk wird gepresst
1912 F. Klatte lässt ein Verfahren zur Herstellung von PVC patentieren
1920 H. Staudinger begründet mit seinem Artikel "Über Polymerisation" die moderne Polymerwissenschaft
1927 O. Röhm erfindet splittersicheres Verbundglas mit Acrylkunststoff, das zu Autofrontscheiben weiterentwickelt wird
1929 In Leverkusen entsteht Buna-S, ein robuster Kunstkautschuk, der im zweiten Weltkrieg für die Reifenproduktion eingesetzt wird
1931 W. H. Carothers entwickelt Neopren, einen künstlichen Kautschuk
O. Röhm entwickelt die erste Plexiglasscheibe
1933 E. W. Fawcett und R. O. Gibson stellen unter hohem Druck und Hitze den Kunststoff Polyethylen her
1935 W. H. Carothers erfindet das Nylon (PA 66)
1936 Polystyrol, von H. Mark und C. Wulff entwickelt, wird industriell gefertigt
1937 In einer Pilotanlage beginnt die Produktion von Polyethylen
In Deutschland beginnt die Großproduktion von Polyvinylchlorid
O. Bayer formuliert das Grundpatent auf die Herstellung von Polyurethan
1938 P. Schlack entwickelt Perlon
R. J. Plunkett entdeckt das Polytetrafluorethylen
1940 In den USA werden die ersten Nylonstrümpfe verkauft
E. G. Rochow entdeckt ein industrielles Syntheseverfahren für Silicone
1941 J. R. Whinfield und J. T. Dickson entwickeln Textilfasern aus Polyester
H. Rein entwirft einen Produktionsprozess für Acrylfasern
In Leverkusen wird Polyurethanschaum hergestellt
1942 In den USA läuft die Großproduktion von GR-5-Kautschuk an
Ebenfalls in den USA werden Silicone produziert
1947 Du Pont startet ein Forschungsprogramm für den Kunststoff Polyformaldehyd
1949 F. Stastny erfindet das Styropor
1951 K. Ziegler und sein Team stellen Polyethylen unter Verwendung von Katalysatoren bei Normaldruck und Raumtemperatur her
H. Schnell entwickelt die Polycarbonate
C. Hufnagel implantiert eine künstliche Herzklappe aus Plexiglas
1953 H. Staudinger erhält für die Aufklärung der Polymerisation den Nobelpreis für Chemie
1954 G. Natta und sein Team stellen mit Ziegler-Katalysatoren Polypropylen her
1956 J. P. Flory formuliert eine Theorie der flüssig-kristallinen Polymere
1957 Metallocenkatalysatoren zur PE-Synthese von G. Natta und Mitarbeitern und D. S. Breslow untersucht
1963 K. Ziegler und G. Natta erhalten den Nobelpreis für Chemie
1965 S. L. Kwolek und P. Morgan entwickeln die Aramidfaser, einen Kunststoff auf flüssig-kristalliner Polymerbasis
1976 H. Shirakawa und A. G. MacDiarmid stellen Polyacetylen, einen elektrisch leitenden Kunststoff, her
1980 Methylaluminoxan als hochaktiver Cokatalysator von H. Sinn und W. Kaminsky entdeckt
1982 Verbrückte ansa-Metallocene des Titans und Zirkons von H. H. Brintzinger und Mitarbeitern beschrieben
1984/85 ansa-Metallocene als lösliche Katalysatoren für isotaktisches Polypropylen von J. A. Ewen, sowie von W. Kaminsky, H. H. Brintzinger und Mitarbeitern verwendet
1988 Cycloolefincopolymere mit Metallocenen durch W. Kaminsky und Mitarbeiter entwickelt
1996/97 Produktion von isotaktischem Polypropylen mit Metallocenkatalysatoren
2000 Für die Entdeckung elektrisch leitender Polymere erhalten A. J. Heeger, A. G. MacDiarmid und H. Shirakawa den Nobelpreis für Chemie


Quelle: [2, 3]


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Letzte Überarbeitung: 01. Juni 2005, Dietmar Bach