6.2 Lernsituation der zweiten Erprobungsgruppe
In der Klasse sind 22 Schüler im Alter von 7-8 Jahren. Mit 11 Mädchen und 11 Jungen
war das Verhältnis zwischen den Geschlechtern sehr ausgewogen, was sich auch im
ausgeglichenen Verhalten der Schüler widerspiegelte. Von den 22 Schülern sind sieben
ausländischer Herkunft, darunter drei türkischer, ein Kind marokkanischer und drei
osteuropäischer Herkunft. Diese Kinder sind alle in Deutschland geboren und haben
keine Sprachprobleme. Zwei Schüler wiederholen das Schuljahr.
Diese zweite Klasse ist als ruhige, sehr motivierte Klasse mit vielen leistungsstarken
Schülern bekannt. Mir fiel das gute Klima und der hervorragende Zusammenhalt der Klasse auf.
Bemerkenswert war auch die Reaktion der Schüler auf das Leisezeichen. Bei aufkommender
Unruhe schlug die Klassenlehrerin nur dreimal ihre Triangel und es wurde sofort leise.
Auch wenn ich mich dieses Signals bediente, kehrte sofort Ruhe ein. Die Schüler hatten
dieses Zeichen so verinnerlicht, dass sie keinen Unterschied zwischen mir und der Klassenlehrerin
machten.
Da ich am Hospitationstag im Sprachunterricht anwesend war, erhielt ich einen Einblick in
die Schreib- und Lesekompetenz der Schüler. Hier wurde klar, dass ich im Vergleich zu einer
dritten Klasse die Schreib- und Leseaufgaben stark reduzieren musste.
Mit offenen Unterrichtsformen waren die Schüler noch nicht vertraut. Sie kannten zwar
Tagesplan- und Gruppenarbeit, doch hatte die Klassenlehrerin diese Arbeitsformen noch nicht
oft praktiziert.
Aus Platzgründen hatte sich die Klassenlehrerin gegen Gruppentische entschieden. Die
Sitzordnung entsprach nun einer U-Form, bei der in der Mitte genug Platz für einen Sitzkreis
blieb, eine Sozialform, die von der Klassenlehrerin bevorzugt wurde.