7.4 Experiment

Das Experiment bzw. der Versuch, die Begriffe werden hier synonym verwendet, zählt im Sachunterricht zu den Formen des entdeckenden Lernens, vor allem dann, wenn der Versuch von den Schülern durchgeführt wird und wenn der Ausgang des Versuchs zwar Vermutungen zulässt, aber nicht hundertprozentig vorhersehbar ist. Bei diesem entdeckenden Lernen wird der Schüler zum "Forscher" und macht ähnlich einprägende Erfahrungen, wie sie Kinder im Vorschulalter beim Erkunden ihrer Lebenswirklichkeit gewinnen.
Experimente offenbaren Phänomene insbesondere naturwissenschaftliche Erscheinungen. Sie können dabei theoretische Sachverhalte veranschaulichen und tragen so zu einem besseren Verständnis bei. Die Präsentation eines Phänomens im Experiment weckt die Neugier und das Interesse der Schüler, motiviert sie Fragen zu stellen und nach Lösungen zu suchen. Deshalb eignen sich Experimente zur Einführung in ein neues Thema.
Besonders faszinierende und aufregende Experimente lösen bei den Schülern große Begeisterung aus, gehen aber oft mit einem gewissen Gefahrenpotential einher. Trotzdem lohnt es sich auch solche Experimente in der Grundschule durchzuführen. Sie sollten jedoch als Demonstrationsversuche vom Lehrer durchgeführt werden.


7.4.1 Schülerversuche fördern die Selbstständigkeit

So weit es möglich ist, sollten die Versuche von den Schülern durchgeführt werden. Das selbstständige Durchführen in Form von Schülerversuchen hilft Sinnzusammenhänge besser zu verstehen. Das selbsttätige Suchen, Probieren, Entdecken und das eigene Handeln unterstützen Konstruktionsprozesse, die für den Aufbau neuen Wissens entscheidend sind [9].
Der motivationspsychologische Aspekt ist dabei nicht zu unterschätzen. Untersuchungen ergaben, "dass der Wunsch selbstbestimmt aktiv zu sein, zentral für Aufbau und Erhalt intrinsischer Motivation ist" [9].
Aufgrund des großen Materialaufwands bietet sich an Schülerversuche in Form von Partner- oder Gruppenarbeit realisieren zu lassen. Neben der Förderung von Eigenständigkeit und Verantwortungsbereitschaft werden so ganz nebenbei kooperatives Handeln geübt und soziale Kompetenzen gefördert.


7.4.2 Schülerversuche müssen gelingen

Schülerversuche sollten sich durch einen einfachen Versuchsaufbau und möglichst geringen Materialaufwand auszeichnen. Zumal einfache Versuche auch eher dazu geeignet sind Phänomene aus der Lebenswirklichkeit der Kinder aufzugreifen. Die benötigten Materialien sollten einfach zu beschaffen und preiswert sein, damit die Kinder ermuntert werden, die Versuche zu Hause zu wiederholen.
Wenn die Schüler eigenständig experimentieren, ist es wichtig, dass alle Materialien auf den Arbeitstischen übersichtlich und in greifbarer Nähe aufgebaut werden. Unbekannte Materialien wie in diesem Falle Tropfpipette, Becherglas und Schwefel sollten vor der Versuchsdurchführung vom Lehrer vorgezeigt und benannt werden.
Vor der Unterrichtsdurchführung sollte der Lehrer die Versuche selbst ausprobieren, damit der Versuch auch gelingt. Das eigenständige Durchführen der Experimente durch die Schüler wirkt sich nur dann motivationsfördernd aus, wenn die Schüler Erfolgserlebnisse beim Experimentieren haben.
So wird ein wichtiges Ziel bei den Schülern erreicht, nämlich Lust am Forschen, Experimentieren, Beobachten und Interesse an einem naturwissenschaftlichen Unterricht.


(Foto: Agnes)

Wenn die Experimente in die Stationenarbeit eingebunden sind, müssen die Materialien sehr übersichtlich aufgebaut werden.


7.4.3 Gestaltung von Experimentiervorschriften

Wenn die Schüler die Versuche eigenständig durchführen, brauchen sie konkrete Anweisungen. Wird die Versuchsdurchführung im Klassenverband besprochen, dann kann der Lehrer direkt auf die Fragen der Schüler eingehen und Unklarheiten ausräumen.
Erhalten die Schüler die notwendigen Informationen zur Versuchsdurchführung in Form von schriftlichen Arbeitsanweisungen, so wie es in dieser Unterrichtseinheit der Fall ist, dann müssen die Anweisungen knapp formuliert und klar strukturiert werden.
Um die Schüler direkt anzusprechen, werden Formulierungen, wie "Du brauchst diese Materialien: ...", "Das musst du tun! ...", "Was hast du beobachtet?" benutzt. Gerade für Grundschüler ist die persönliche Ansprache wichtig.
Müssen viele Arbeitsschritte ausgeführt werden, sollten sie nummeriert werden. So wissen die Schüler genau, welche Handlungsschritte in welcher Reihenfolge zu tun sind.
Hier wird insbesondere das anwendungsbezogene und sinnerfassende Lesen geübt. Die Schüler lesen eine Anweisung für einen Arbeitsschritt und führen die Handlung sofort aus. Das fördert die Lesekompetenz. Die Schüler erkennen, dass es wichtig ist die Texte lesen und verstehen zu können. Nur so kann das Experiment, an dem die Schüler begeistert arbeiten, gelingen.


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Letzte Überarbeitung: 25. Januar 2005, Dagmar Wiechoczek