8.8 Tatsächlicher Stundenverlauf mit der ersten Erprobungsgruppe

Schon vor Beginn der Stunde baute ich in der Schulküche alle nötigen Materialien für den Versuch "Tücher waschen" auf. Nach der Frühstückspause kamen die Schüler in die Küche und setzten sich in den von mir vorbereiteten Stuhlkreis. Zum Einstieg stellte ich den blauen Stoffelefanten Ellie vor, der als Glücksbringer die Experimente begleiten sollte, um ein gutes Gelingen zu gewährleisten. Die Schüler sahen sofort, dass Ellie ganz schmutzig war und ich berichtete, dass mir das Stofftier beim Transport in den Matsch gefallen sei. Ich fragte die Schüler, ob sie eine Idee hätten, wie das Tier zu säubern sei. Hier kamen schon viele gute Ideen: Wasser, Waschmittel wie Persil, aber auch Reinigungsmittel wie Meister Proper oder Vanish Oxy oder das vorsichtige Reinigen mit Waschlappen und Seife. Ein Schüler nannte auch Aloe Vera als mögliches Waschmittel, worauf ein anderer Schüler diesen Vorschlag gleich richtig stellte und Aloe Vera den kosmetischen Produkten zuordnen konnte. Einige fragten, ob Ellie Feinwäsche wäre und ob man sie in den Trockner stecken dürfe. Diesen Äußerungen entnahm ich, dass die Schüler über eine Menge Vorwissen verfügen, zum einen was die Produktpalette angeht und zum anderen was man beim Waschen beachten muss.
Ich schlug nun das Experiment "Tücher waschen" vor, wollte aber von den Schülern vorher wissen, ob sie sich vorstellen könnten, was Experimentieren bedeute und was bei diesem speziellen Experiment zu erwarten sei. Ein Schüler wusste sofort, dass man ein Experiment auch Versuch nennt und ein anderer meinte, dass man bei einem Experiment etwas ausprobiert. Diese Aussage wurde von einem Mitschüler präzisiert: "Wenn man etwas wissen will, dann probiert man etwas Bestimmtes aus." Einige hatten bereits eine sehr genaue Vorstellung von einem Experiment, zumal die Klasse vor kurzem einen Versuch mit Hefe zu Hause durchführen sollte. Ein Schüler hatte mit einem Chemiebaukasten und mit selbst gezüchteten Kristallen bereits weiterführende Experimentier

  • Erfahrungen machen können. Zusammenfassend hielten wir fest, dass

    Eine ausschweifende Erzählung von einem Mann, der auf einer Motorhaube liegend durch Feuer fährt und von einer daraus folgenden Explosion, endete mit der Bemerkung, dass Experimentieren mit Feuer zu tun hätte und dass wir in den kommenden Stunden sicherlich auch etwas mit Feuer machen würden. Diese Aussage war zwar konfus, aber sie spiegelte die Begeisterung und Aufgeregtheit des Kindes wider. Weiterhin zeigte sie, dass sich hier Vorstellungen von Chemie und Experiment vermischen. Ich leitete nun zu den Sicherheitsregeln über, wobei die Schüler mit ein wenig Unterstützung Regeln wie "Tische aufräumen", "Haare zurück binden", "Nicht drängeln und nicht rennen" und "Ärmel hochkrempeln" selber nennen konnten. Es wurde auch noch leise reden, sich in der Gruppe absprechen und nach dem Experimentieren Händewaschen genannt. Fünf Regeln hielten wir auf einem Plakat schriftlich fest. Symbole, die die Regeln bildlich darstellen, sollten anschließend von den Schülern richtig zugeordnet werden.
    Vor dem Versuch "Tücher waschen" stellten die Schüler Vermutungen an, was bei den Waschvorgängen des Versuchs herauskommen würde. Bei der Gruppeneinteilung war mir wichtig, dass sich die Gruppen nicht immer nach bestehenden Freundschaften bildeten. Ich verteilte verdeckt Kärtchen mit Zahlen, so dass sich die Schüler selber zuordnen konnten. Die Gruppenbildung nach dem Zufallsprinzip wurde von allen Schülern akzeptiert.
    Jede Gruppe erhielt ein schmutziges Tuch. Auf ein Zeichen von mir begannen die Schüler mit dem Waschen. Mit Stopp

  • Uhr und Glöckchen, das ich als Signal eingeführt hatte, sollten sich die Schüler beim Waschvorgang abwechseln. Die Durchführung verlief vorbildlich. Nach zwei Minuten war der Versuch beendet.
    Nach dem Aufräumen wurden die Ergebnisse im Sitzkreis vorgestellt und miteinander verglichen. Die Schüler erwarteten beim Waschen mit Waschmittel das beste Ergebnis und hatten damit den Ausgang des Experiments richtig eingeschätzt. Dennoch waren viele von der Eindeutigkeit des Ergebnisses überrascht. Bei der Prüfung des Waschwassers wurde deutlich, wo der Schmutz geblieben war. In diesem Zusammenhang erklärte ich die Löslichkeit von Schmutz in Wasser.
    Nun hatte ich den Schülern eine Geräuschkassette mitgebracht, bei der sich die Schüler ruhig und entspannt hinsetzen, den Kopf auf den Tisch legen und der Kassette lauschen sollten. Nach der unruhigen Experimentierphase war diese Ruheübung gut für die Konzentration. Einige Geräusche fanden allgemeine Belustigung, wie z. B. die Dusche oder die Toilettenspülung und wegen ihrer Eindeutigkeit wurden die meisten Geräusche auch sofort richtig erkannt.
    Von dieser Wahrnehmungsübung ausgehend leitete ich zu der Ideensammlung zum Thema "Waschen und Reinigen" über, die ich den Schülern als Spiel "Kopfsalat" vorstellte. Jeder Schüler sollte nun der Reihe nach Wörter, Begriffe oder Fragen zu dem Thema nennen. Ich betonte, dass es dabei kein richtig oder falsch gäbe. Den Schülern, denen die Arbeitsmethode der Ideensammlung bisher unbekannt war, half die zuvor gehörte Geräuschkassette beim Ideensammeln. Allerdings orientierten sie sich zunächst sehr stark an den Geräuschen und entwickelten erst allmählich eigene Ideen zum Thema. Ich hängte ein großes Plakat auf mit dem Titel "Waschen und Reinigen" und notierte dort alle genannten Begriffe. Während der Ideensammlung fiel mir auf, dass die Schüler sehr unruhig wurden und sich nach einiger Zeit nicht mehr gegenseitig zuhören konnten.
    Nachdem alle Schüler ihre Ideen genannt hatten, fragte ich, was man für die Situationen braucht, die wir zum Thema "Waschen und Reinigen" notiert hatten und was man bei den Geräuschen hören konnte. Hier konnten die Schüler "Wasser" sofort nennen. Daran anknüpfend verglichen wir nochmals das Waschwasser mit reinem Wasser und erarbeiteten daraus die Bedeutung des Wassers fürs Waschen. Dazu formulierten wir drei Merksätze:

    Nun erhielt jedes Kind eine eigene Forschermappe mit Deckblatt. Die unterschiedlichen Farben der Mappen sorgten für eine große Tauschaktion, bis jeder seine Lieblingsfarbe hatte. Um eventuelle Enttäuschungen zu vermeiden, empfiehlt es sich von vornherein einheitliche Mappen zu verteilen.
    Zum Abschluss erhielten die Schüler eine Hausaufgabe zu der ich zwei Arbeitsblätter austeilte. Auf dem einen Arbeitsblatt war die Versuchsanleitung des durchgeführten Versuchs "Tücher waschen" in Form eines Lückentextes beschrieben, so dass sich die Schüler beim Bearbeiten des Textes an den Versuch erinnern mussten. Beim zweiten Arbeitsblatt sollten sie die richtigen Merksätze heraussuchen, ausschneiden und auf die Rückseite des Arbeitsblattes "Tücher waschen" aufkleben.


    Die Schüler der ersten Erprobungsgruppe vergleichen die gewaschenen Tücher
    (Foto: Agnes)


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    Letzte Überarbeitung: 25. Januar 2005, Dagmar Wiechoczek