8.9 Tatsächlicher Stundenverlauf mit der zweiten Erprobungsgruppe

Auch bei der zweiten Unterrichtserprobung verlegte ich meinen Unterricht in die Schulküche, da sich dieser Raum für das Durchführen der Experimente bereits bewährt hatte. Das Vorbereiten und Aufstellen aller nötigen Materialien ließ sich jetzt schneller und leichter organisieren als beim ersten Mal.
Die Schüler wurden vom Klassenraum zur Schulküche geführt und hierbei bemerkte ich schon die Aufregung der Kinder.
Im Sitzkreis beruhigten sich die Schüler sehr schnell, zumal ihre Aufmerksamkeit durch den blauen Stoffelefanten, den ich in den Händen hielt, auf mich gelenkt wurde. Nachdem ich Ellie, den verschmutzten blauen Stoffelefanten vorgestellt hatte, stellte ich den Schülern die Frage, wie sich Ellie am besten sauber machen lässt. Die Schüler nannten spontan Wasser, Seife, Spülmittel und entkalktes Wasser.
Auf die Frage, was sie sich unter einem Experiment vorstellen, kamen vage Vermutungen. Die meisten hatten das Wort schon einmal gehört, konnten jedoch nicht erklären, welche Bedeutung dahinter steht. Viele Äußerungen zielten bereits zu sehr auf das Thema Wasser ab. Es wurde "Wasser färben", "Farbe in Wasser gießen" und Ähnliches genannt.
Ein Schüler erzählte sehr anschaulich von einem selbst durchgeführten Experiment, mit einer warmen Flasche, die in kaltes Wasser gestellt wird, wodurch ein auf der Flaschenöffnung befindlicher Luftballon angesogen wird. Es zeigte sich auch hier, dass einige Kinder in ihrer Freizeit eigenständig experimentieren.
Wie schon bei der ersten Erprobungsgruppe erklärte ich, warum Wissenschaftler Experimente durchführen und welche Bedingungen für Experimente gelten.

Ich leitete nun zu den Sicherheitsregeln über. Die Schüler nannten ohne große Lenkung wichtige Regeln, wie "Nicht rennen oder schubsen", "Ärmel hochkrempeln" und "Haare zurückbinden" und konnten ohne weiteres die entsprechenden Symbole zu den jeweiligen Regeln auf dem bereits vorbereiteten Plakat zuordnen, das anschließend für alle sichtbar im Raum aufgehängt wurde.
Jetzt erläuterte ich die Durchführung des Experiments und teilte nach dem Zufallsprinzip die Gruppen ein. Mir fiel auf, dass sich alle gut in ihre Gruppe einfügen konnten. Ein gutes Klassenklima erleichtert wesentlich das Arbeiten in Teams, das zeigte sich auch in dieser Klasse. Die Zusammenarbeit funktionierte ausgesprochen gut. Auf mein Zeichen wechselten sich die Kinder beim Waschen der Tücher ab und das anschließende Aufräumen der Tische wurde innerhalb der Gruppe eigenständig organisiert. Während dieser Gruppenarbeit hörte ich zufällig, wie ein Schüler, der sich schwer abmühte das Tuch mit kaltem Wasser und ohne Waschmittel sauber zu bekommen, meinte: "Das Tuch wird ja gar nicht sauber!", worauf ein anderer gleich erklärte, dass das mit der Oberflächenspannung des Wassers zusammenhänge. Über so fundierte Vorkenntnisse war ich sehr überrascht.
Für die Auswertung legten die Schüler ihre Tücher geordnet auf den Fußboden, so dass jeweils die Tücher, der Gruppen 1,2 und 3 nebeneinander lagen. Die Schüler erkannten sofort, dass die Tücher am saubersten waren, die mit warmem Wasser und Waschmittel gewaschen worden waren. Damit wurde die vorausgegangene Vermutung aller Schüler bestätigt. Viele Schüler waren sehr neugierig und rätselten, womit ich die Tücher verschmutzt hatte. Sie kamen dabei selbstständig auf Erde kamen. Ich verriet ihnen, dass ich außerdem noch Ketchup, Senf und Öl benutzt hatte.
Da mich nach dem Wasch

  • Versuch alle Schüler fragten, ob sie gleich noch ein Experiment machen könnten, änderte ich kurzerhand mein "Programm". Anstatt wie geplant mit dem Hörquiz weiterzumachen, leitete ich direkt zur Ideensammlung über, um anschließend noch genug Zeit für den Versuch "Der Wasserberg" zu haben. Auf einem großen Plakat hatte ich in der Mitte die Begriffe "Waschen und Reinigen" aufgeschrieben und forderte nun die Schüler auf, mir spontan Wörter zu nennen, die ihnen zum Thema "Waschen und Reinigen" einfallen. Dabei gab ich noch den Tipp an Situationen im Haushalt zu denken. Den Schülern fiel es zunächst nicht leicht, sich spontan zu äußern, zumal ihnen die Durchführung einer Ideesammlung bisher unbekannt war. Das Vorspielen der Geräuschkassette hätte den Einstieg in diese Arbeitsform gewiss erleichtert, da hier direkt Alltagssituationen zum Thema "Waschen und Reinigen" vorkommen, die die Schüler dazu angeregt hätte über ähnliche Situationen nachzudenken.
    Es wurden Begriffe zur eigenen Hygiene, also duschen, baden, Gesicht waschen usw. genannt, aber auch Geräte wie Waschmaschine oder Spülmaschine. Oft wurden Sachen aufgezählt, die gewaschen oder gereinigt werden können, kaum jedoch Produkte, die zum Waschen und Reinigen verwendet werden. Darin unterschied sich die Ideensammlung sehr stark von der Ideensammlung der ersten Erprobungsgruppe.
    Als nächstes wollte ich die Bedeutung des Wassers für das "Waschen und Reinigen" ansprechen. Da bei der Ideensammlung auch Wasser genannt worden war, fiel es den Schülern leicht meine Frage, was an all den Situationen des Waschens und Reinigens beteiligt ist, zu beantworten. Ich zeigte ihnen in einem Glas das verschmutzte Waschwasser, worauf sie mir sagen konnten, was sich außer Wasser noch im Glas befindet. Da die Schüler wussten, womit die Tücher verschmutzt waren, konnte ein Schüler direkt den Rückschluss ziehen und aufzählen, was sich noch im Glas befinden müsste. Hieraus erarbeiteten wir, dass Wasser für das Waschen wichtig ist und dass sich viele Stoffe im Wasser lösen können. Danach formulierten wir die Merksätze, die sich den Schülern einprägen sollten:

    An diesem Punkt ließ ich außerplanmäßig ein weiteres Experiment durchführen, nämlich den Versuch "Der Wasserberg". Ich schob einen Tisch in die Mitte des Sitzkreises und stellte darauf zwei mit Wasser gefüllte Becher, wobei der eine knapp bis zum Rand und der andere nur bis zur Hälfte voll war. Jetzt sollten die Schüler der Reihe nach mit der Tropfpipette Wasser in den fast vollen Becher tropfen. Zuvor ließ ich die Schüler Vermutungen anstellen, wie oft man mit der Tropfpipette Wasser hinzufügen könne. Sie meinten fast alle, dass der Becher bald überlaufen und das kaum noch Wasser hineinpassen würde. Umso überraschter waren sie, dass alle 22 Schüler einmal die Tropfpipette bedienen konnten und dass erst beim letzten Kind der Becher tatsächlich überlief.
    Bei diesem Versuch war mir wichtig, dass alle Schüler einmal den Umgang mit der Tropfpipette erproben, um für die weiteren Versuche vorbereitet zu sein. Hier stellte ich fest, dass einige Schüler keine rechte Vorstellung davon hatten, wie man mit der Pipette umgeht, wie man Wasser hinein- und wieder herausbekommt. Ein Schüler hatte jedoch eigenes Experimentierwerkzeug darunter eine Pipette und eine Lupe von zu Hause mitgebracht und konnte daher genau erklären, wie die Pipette funktioniert.
    Begeistert fieberten die Schüler mit jedem Kind mit, das mit der Pipette Wasser in den Becher tropfte. Einige Schüler vermuteten zu Beginn des Versuchs, dass ein Wasserberg entstehen würde. Sie waren dennoch völlig erstaunt, wie stark sich der Wasserberg tatsächlich aufwölbte.
    Ein Kind konnte berichten, dass das an der Oberflächenspannung des Wassers liegt und ein anderes wusste, dass Wasser eine Haut hat, die das Wasser zusammenhält. Hier waren bereits sehr fundierte Vorkenntnisse vorhanden, die das Interesse an naturwissenschaftlichen Phänomenen zeigt. Die Schüler erzählten mir, dass sie ihre Kenntnisse aus entsprechenden Fernsehsendungen haben.
    Zum Schluss der Stunde wurden die Hefter, das Deckblatt und die ersten Arbeitsblätter verteilt und besprochen. Die Arbeitsblätter sollten als Hausaufgabe bearbeitet werden.


    Ein Schüler der zweiten Erprobungsgruppe beim Waschen der Tücher
    (Foto: Agnes)


    Diese Seite ist Teil eines großen Webseitenangebots mit weiteren Texten und Experimentiervorschriften auf Prof. Blumes Bildungsserver für Chemie.
    Letzte Überarbeitung: 25. Januar 2005, Dagmar Wiechoczek