8.10 Abschließende und vergleichende Betrachtung
Beide Klassen brachten eine hohe Arbeitsmotivation mit und waren sehr neugierig
auf diese Unterrichtseinheit. Während die Schüler der zweiten Erprobungsgruppe sehr
kurzfristig über mein Kommen informiert wurden, war die erste Erprobungsgruppe seit
längerem auf mein Erscheinen vorbereitet und wusste, dass sie in meiner Unterrichtseinheit
chemische Experimente durchführen würde. Viele Schüler hatten zu Hause von dem bevorstehenden
Ereignis berichtet und sich bei Eltern oder älteren Geschwistern über Chemie und chemische
Experimente erkundigt. Dem entsprechend brachte diese Klasse meinem Unterricht eine hohe
Erwartungshaltung entgegen, was sich auch in ihren Vorstellungen von chemischen Experimenten
ausdrückte. Nicht nur Kinder sondern auch manche Erwachsene denken bei chemischen
Experimenten an stinkende Knalleffekte mit Feuer, Farbe und Rauch und es ist ihnen
nicht klar, dass sich chemische Phänomene bereits bei ganz "unspektakulären" Alltagssituationen
beobachten lassen. Meine Arbeit zielt darauf ab, den Schülern zu vermitteln, dass sich
chemische Experimente auch mit ganz einfachen und ungefährlichen Mitteln durchführen
lassen und dass ein Experiment nicht zwingend mit Qualm und Knall enden muss.
Die Schüler der zweiten Erprobungsgruppe, die auf mein Vorhaben weniger vorbereitet
waren, waren viel unvoreingenommener. Hier wurde hier erkennbar, dass viele Schüler nur
vage Vorstellungen von einem Experiment hatten.
Aus Erzählungen einiger Schüler beider Jahrgangsstufen konnte ich entnehmen, dass
sie naturwissenschaftlichen Phänomenen großes Interesse entgegenbringen und dass einige
Kinder auch eigenständig zu Hause experimentieren, angeleitet durch Chemiebaukästen,
durch entsprechende Kinderfernsehsendungen oder mit Hilfe von Erwachsenen oder älteren
Geschwistern. Es war überraschend über welche Kenntnisse die Schüler bereits verfügten.
Die Arbeit in Gruppen verlief in beiden Klassen hervorragend. Jeder hatte die
Gruppeneinteilung akzeptiert und es gab keine Differenzen zwischen den Gruppenmitgliedern.
Das lag zum einen an der guten Klassengemeinschaft und zum anderen an der Begeisterung ein
Experiment durchführen zu können. Obwohl das erste Experiment "Tücher waschen" die große
Erwartungshaltung mancher Schüler an ein chemisches Experiment nicht erfüllte, waren sie
begeistert tätig werden zu können.
Bei der Durchführung der Ideensammlung merkte ich, dass beiden Jahrgangsstufen diese
Arbeitsform bisher unbekannt war. Die Schüler äußerten sich zunächst abwartend. Die Erstellung
einer phantasievollen, assoziationsreichen Ideensammlung muss geübt werden und dazu bieten
sich besonders Themen an, die die Schüler von sich aus vorschlagen.