9.10 Abschließende und vergleichende Betrachtung

Bei dieser abschließenden Betrachtung konzentriere ich mich auf die dritte Unterrichtsphase, die Stationenarbeit. Bei den beiden Erprobungsgruppen muss von unterschiedlichen Vorraussetzungen ausgegangen werden.
Zur ersten Erprobungsgruppe lässt sich Folgendes feststellen:

Zur zweiten Erprobungsgruppe lässt sich Folgendes sagen:

Bei der ersten Erprobungsgruppe merkte ich deutlich, dass sie mit der Methode der Stationenarbeit sehr routiniert umging. Ich hatte die Schüler entsprechend der Gruppentische in Gruppen eingeteilt. Sie konnten daher in ihren gewohnten Arbeitsgruppen arbeiten. Die Schüler verfügten bereits über eine Menge Strategien, die ihnen halfen die Arbeit in den Gruppen zu organisieren. Sie konnten sich daher auch mehr auf die Experimente und die Beobachtungsaufgaben konzentrieren. Es fiel mir auf, dass diese sonst unruhige Klasse ganz konzentriert, ruhig und sehr eifrig arbeitete. Beim Lesen der Arbeitsanweisungen und der Arbeitsblätter aber auch bei den verschiedenen Handlungen der Versuchsdurchführung achteten sie sehr genau darauf sich regelmäßig abzuwechseln.
Auch das Aufräumen der Tische und das Aufwischen von kleinen Überschwemmungen wurden von den Schülern, ohne dass ich darauf hinweisen musste, sorgfältig erledigt.
Bei dieser Erprobungsgruppe fiel mir auf, dass das Arbeitstempo der Gruppen sehr unterschiedlich war. So hatte eine Gruppe ihre Arbeit an den Stationen beendet, während andere noch ein oder zwei Stationen erledigen mussten.

Auch die zweite Erprobungsgruppe ging mit der gleichen Begeisterung und derselben Motivation an die Stationenarbeit. Für diese Klasse war jedoch vieles neu: der Ablauf der Stationenarbeit, der Umgang mit dem Laufzettel, das Durchführen von Experimenten.
Es war für sie ungewohnt sich um alles selbst kümmern zu müssen. Bei jedem Stationenwechsel mussten sie sich wieder auf eine neue Aufgabe einlassen und Entscheidungen über die Arbeitsteilung treffen. Hier suchten die einzelnen Gruppen noch nach geeigneten Strategien, um die gemeinsame Arbeit zu organisieren. Bei der Gruppeneinteilung hatte ich darauf geachtet, dass mindestens zwei gute Leser in jeder Gruppe waren. Einige Gruppen entschieden, wer aus der Gruppe das Vorlesen der Arbeitsanweisungen und der Arbeitsblätter übernehmen sollte. Oft waren es auch die Leser, die die Aufgaben innerhalb der Gruppe delegierten. Ich stellte fest, dass der Zusammenhalt in den Gruppen sehr gut war. So bemühten sich die Gruppen alle Gruppenmitglieder gleichermaßen in die Arbeit einzubeziehen.
Zu Beginn der Stationenarbeit hatte ich vorgegeben, dass maximal zwei Versuchsdurchführungen pro Gruppe erlaubt sind, es sei denn ein Experiment würde auch beim zweiten Versuch missglücken.
Diese Vorgabe wurde nicht eingehalten, da jeder Schüler wünschte den Versuch alleine durchführen zu können. So geschah es, dass manche Gruppen ein Experiment drei

  • oder viermal wiederholten. Auch wenn ich die Gruppen ermahnen musste, sparsamer mit dem Material umzugehen, bin ich trotzdem froh, dass die Schüler so voller Tatendrang gearbeitet haben.
    Es wurde eine Menge Material verbraucht, etliche Tische standen unter Wasser (und manchmal auch der Fußboden). Einige vergaßen das Aufräumen der Tische und für einen Außenstehenden hätte diese Unterrichtsstunde vermutlich wie ein Chaos ausgesehen. Dieses vermeintliche Chaos zeigte jedoch nur eins: Die Schüler hatten großen Spaß am Experimentieren und waren begeistert die Versuche selbstständig und ohne die Hilfe eines Erwachsenen durchführen zu können.
    Bei beiden Erprobungsgruppen wurde mir bestätigt, dass Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit zu einem hohen Maß intrinsische Motivation freisetzt und zu Erfolgserlebnissen und hervorragenden Ergebnissen führt.


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    Letzte Überarbeitung: 23. August 2010, Dagmar Wiechoczek