10.9 Tatsächlicher Stundenverlauf mit der zweiten Erprobungsgruppe

Gleich zu Beginn der Stunde setzten sich alle Schüler mit ihren Forschermappen in den Sitzkreis. In der Mitte stand auf dem Fußboden ein weißes Tablett, auf dem die Materialien der Stationenarbeit angeordnet waren, wie z.B. Spülmittel, Tropfpipette, ein Becherglas usw. Nun präsentierte eine Gruppe ihre Ergebnisse der Stationen. Dabei zeigte sich, dass die Schüler die Ergebnisse keineswegs ausschließlich als Gruppenarbeit sondern auch als Einzelarbeit aufgefasst haben. Zum Teil gab es unterschiedliche Ergebnisse innerhalb einer Gruppe.
Jeder Schüler zeigte nun die angefertigten Zeichnungen zur Station 1. Jeder legte seine Mappe in die Kreismitte, so dass alle Schüler die Zeichnungen der anderen sehen konnten. Ich wählte zwei besonders gelungene Arbeiten aus, die zur genaueren Betrachtung herumgereicht wurden.
Anschließend fragte ich, ob sich die Schüler das Versuchsergebnis erklären könnten. Da wir die Theorie zu diesem Versuch bereits in der letzten Stunde eingehend behandelt hatten, konnten sich viele Schüler melden und das Phänomen des Versuchs "Der Wasserberg" erklären. Auch das schwierige Wort "Oberflächenspannung" wurde im richtigen Zusammenhang genannt.
Bei Station 2 (Hierbei sollte reines Wasser auf einen Plastikdeckel und auf ein Stück Stoff getropft werden.) konnten die Schüler ihre Beobachtung gut in Worte fassen. Das Aufzeichnen der Beobachtung war für einige Schüler eine große Herausforderung. Die Reflexion zu diesem Versuch fiel den Schülern leicht. Viele konnten ihr bisher erworbenes Wissen auf diesen Versuch übertragen und sie erkannten den Zusammenhang zwischen der Oberflächenspannung und der halbkugelförmigen Tropfenbildung.
Der Büroklammer-Versuch, die Station 3, machte den Schülern besonders viel Spaß, weil ihnen hier eine Menge Fingerspitzengefühl abverlangt wurde, um die Büroklammer auf die Wasseroberfläche zu legen. Die Schüler waren fasziniert, mit welcher Geschwindigkeit die Büroklammer sank, wenn Spülmittel hinzugefügt wurde.
Nach meiner kurzen Erklärung, dass das Wasser aufgrund der Oberflächenspannung kleine, leichte Gegenstände tragen könne, folgerte ein Schüler, dass das Spülmittel die Oberflächenspannung zerstören müsse, da die Büroklammer sank sobald Spülmittel dazukam. Der Schüler hatte eine sehr gute Transferleistung erbracht. In diesem Zusammenhang führte ich das Wort Tenside ein.
Die Station 4 wiederum hatte einigen Gruppen Schwierigkeiten bereitet. Hier sollte auf einen Plastikdeckel und auf ein Stück Stoff Spülmittel-Wasser getropft werden. Damit steht dieser Versuch in Zusammenhang mit der Station 2. Wieder sollten die Schüler ihre Beobachtung zeichnerisch darstellen. Diese Aufgabe rief einige Unklarheiten hervor, da einige Schüler behaupteten, dass der Tropfen höher als bei Station 2 war. Eine Schüleräußerung lautete "Der Tropfen muss doch größer sein. Da ist doch mehr drin." Die Zugabe von Spülmittel zum Wasser wurde automatisch mit einer Vergrößerung gleichgesetzt.
An dieser Stelle musste der Begriff "größer" präzisiert werden. Ich dachte an einen kugelförmigen also höheren Tropfen, während einige Schüler an den breit auslaufenden Spüli-Wassertropfen dachten, den sie für größer hielten. Hier vermischten sich sprachliche Missverständnisse und Fehlinterpretationen. Um die Unklarheiten zu beseitigen führte ich diesen Versuch nochmals durch, wobei ich einmal reines Wasser und Spüli-Wasser nebeneinander tropfte, so dass die Schüler den Unterschied deutlich wahrnehmen konnten. Einige Schüler hatten bei dieser wiederholten Versuchsdurchführung ein richtiges Aha-Erlebnis.
Bei der Station 5 wurde es durch die Verwendung von Schwefel "richtig chemisch" und das war vermutlich für viele Kinder der erste bewusste Umgang mit einer Chemikalie. Der ungewohnte Geruch des Schwefels und das besonders aussehende Schwefelfläschchen verliehen diesem Experiment die chemische Besonderheit, was sich in der erhöhten Aufmerksamkeit der Kinder bei der Durchführung und Beobachtung des Experiments widerspiegelte. Erfreut war ich über die Äußerung eines Schülers, der mir erklärte, dass man anstatt Schwefel gemahlenen Pfeffer verwenden kann. Der Schüler hatte den Versuch mit den Eltern ausprobiert und ersatzweise Pfeffer genommen.
Die sechste Station, bei der die Wirkung der Tenside als Emulgator untersucht wurde, war für eine zweite Klasse schon sehr anspruchsvoll. Hier mussten mehrere Handlungen vollzogen und zwischendurch Beobachtungen festgehalten werden. Gerade die Frage "Lässt sich das Öl mit dem Wasser vermischen?" war für viele Gruppen schwierig zu beantworten. Oft verrührten sie Wasser und Öl und schlossen aus der feinen Zerteilung des Öls, dass sich die beiden Flüssigkeiten mischen lassen. Sie warteten nicht lange genug, um feststellen zu können, dass sich das Öl an der Wasseroberfläche wieder in großen Fettaugen sammelt. An dieser Station hätte ich eine Sanduhr bereitstellen müssen.


Die Schüler entwickeln ein Rollenspiel (Foto: Agnes)


Die Schüler spielen den Büroklammerversuch nach (Foto: Agnes)

Die siebte Station hatte zum Ziel die Sicherheitsregeln zu wiederholen und ein eigenes Sicherheitsplakat zu erstellen, so dass alle Schüler die Sicherheitsregeln in Wort und Bild in ihrer Forschermappe abheften konnten.
Da diese relativ lange Phase im Sitzkreis zu verstärkter Unruhe geführt hat, schloss ich mit einem Bewegungsspiel "Mein Name ist Joe". Nachdem sich alle bei diesem Spiel austoben konnten, leitete ich zum Gruppenpuzzle über, das ich in vereinfachter Form einführte. Es wurden Paare gebildet mit je einem Schüler, der das Experiment "Das Seifenschiffchen" und einem Schüler, der das Experiment "Das Münzen-Tauchen" zu Hause durchgeführt hatte. Die Kinder sollten sich gegenseitig berichten, was man für das Experiment braucht, wie man es durchführt und welche Beobachtung man machen kann. Jedes Kind konnte so der Experte für sein Experiment sein. Eine weitere Aufgabe war, gemeinsam über mögliche Erklärungen nachzudenken.
Ich war erstaunt, wie flexibel die Schüler mit ihrem bereits erworbenen Wissen umgingen und zu Transferleistungen in der Lage waren. So konnten einige Schüler auf Anhieb die Beziehung zwischen dem Seifenschiffchen und dem Schwefelversuch herstellen.
Um den Wunsch der Schüler entgegen zukommen, wurden die beiden Versuche "Das Seifenschiffchen" und "Das Münzen-Tauchen" gemeinsam im Sitzkreis durchgeführt.
Um einen Alltagsbezug herzustellen, zeigte ich verschiedene Verpackungen von Wasch- und Reinigungsmitteln. Die Schüler suchten in kleinen Gruppen nach bekannten Inhaltsstoffen. Alle konnten unter das nun bekannte Wort "Tensid" ihren Finger halten und mit eigenen Worten erklären, was die Tenside bewirken. Es war mir wichtig, das Gelernte zum Abschluss der Unterrichtseinheit zu sichern.
Nach dem Orden und Binden der Forschermappen, wurde ein Seifenblasen-Wettpusten auf dem Schulhof veranstaltet. Dabei konnten sich die Schüler richtig austoben.

 
Wer schafft die größten Seifenblasen?
(Fotos: Agnes)


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Letzte Überarbeitung: 31. Januar 2005, Dagmar Wiechoczek