Wie ein Salzstock entstand

Salz findet man nicht nur im Wasser gelöst, sondern auch als Ablagerung an Land, als Sedimentgestein. Es tritt an verschiedenen Orten an die Oberfläche, von wo aus es dann entweder bergmännisch oder durch Auslaugen abgebaut werden kann. Man spricht von einem Salzstock. So einen gibt es zum Beispiel bekanntlich bei Gorleben in Niedersachsen.

Dessen Entstehungsgeschichte begann, als vor ca. 230 Millionen Jahren ein salzhaltiges Binnengewässer oder -meer eintrocknete. Was dabei abläuft, kann man heute am Toten Meer in Vorderasien oder am Aralsee in Sibirien studieren. (Wie das Salz in das Wasser gelangt ist, berichten wir auf einer besonderen Webseite.)

Solche eingetrockneten Binnenmeere nennt man Salzseen, obwohl man sie eher als "Salzwüsten" bezeichnen sollte. Die gibt es noch heute, zum Beispiel in den USA im Staat Utah bei der Stadt Salt Lake City. Sie sind so riesig und dazu noch so eben, dass man sie als natürliche Flugplätze benutzt.

Das Zeitalter, in dem sich unsere wichtigsten Salzvorkommen bildeten, war das Perm und hier ganz besonders dessen Unterformation Zechstein. Der Name Zechstein hängt mit der bergmännischen Bedeutung zusammen: Zechen sind bergmännische Anlagen. Dieses Zeitalter war schon merkwürdig: Nord- und Mitteleuropa waren von einem Binnenmeer bedeckt. Auf dem Land herrschte Wüstenklima vor. Das führte dann zum Eintrocknen der salzigen Meere. Wo war das Wasser geblieben? Das war an den Polkappen fixiert, denn damals herrschte auf der Erde eine mächtige Eiszeit.
Der so entstandene Salzsee wurde im Verlaufe der folgenden Millionen Jahre von Sedimenten zugedeckt. Das waren Meeresablagerungen (wenn sich das Gebiet mit dem Salz absenkte) sowie der Sand von Dünen oder Wüsten, der von Wind oder Wasser über die Salzschicht getragen wurde. Die europäischen Salzseen wurden zum Beispiel von rotem Wüstensand abgedeckt. Nach dieser Sandsteinschicht und ihrem Versteinerungsprodukt nennt man das Zeitalter, in dem sie entstand, Buntsandstein. Diese Formation leitet das Zeitalter der Trias ein.

Darüber legten sich weitere Schichten wie zum Beispiel der gipshaltige Keuper, der aus Meeressedimenten entstand. (Aus diesen Formationen besteht ein großer Teil des Weserberglands, aber auch des Voralbgebiets bei Tübingen.)

In dieser Epoche begann der so abgedeckte Salzsee seitlich unter Druck zu geraten. Er faltete sich auf, wobei einzelne Falten sogar bis an die Oberfläche gelangten. Man kann auch argumentieren, dass die Salzlager eine geringere Dichte haben als das umgebende Gestein. So schwimmen entsprechend dem Archimedischen Prinzip die Salzlager quasi auf wie ein Ballon in der Luft. Auf diese Weise ist die Buntsandstein-Insel Helgoland entstanden, welche bekanntlich auf dem Perm-Salzstock (Salzdom) steht, der sie hochgehoben hat. (Als Kind habe ich immer darüber nachgedacht, dass sich in der Nordsee das Salz ja mal lösen müsste - mit der Folge, dass die Insel im Meer versinken sollte...)

Offen liegende Salzstöcke fielen dem Menschen als erste auf. Wenn sie aber gar nicht an die Oberfläche gelangten oder wieder abgedeckt wurden, zum Beispiel im Tertiär oder Quartär, dann liegen ihre Kappen unter der Erde und man muss sie bergmännisch öffnen. Frei liegende Salzstöcke jedoch sind Auslaugungen durch Regen und Oberflächengewässer ausgesetzt (-> Solequellen). Das sind all die bekannten, geschichtlich früh gefundenen Salzvorkommen, nach denen so viele Landschaften, Orte und Flüsse in Deutschland benannt sind (siehe Webseite).

Dass sich überhaupt Gesteinsfalten bildeten, hat seine Ursache in einer Eigenschaft der Salze: Sie verhalten sich unter starkem Druck plastisch. (Das kennt jeder, der sich mit Infrarot-Spektroskopie befaßt: Da mischt man eine kleine Probe der zu untersuchenden Substanzen mit Kaliumbromid und formt dieses unter hohem Druck zu glasartigen "Presslingen".) Die Plastizität hat für die Salzstöcke und ihre Nutzung große Vorteile: Wenn sich Risse bilden, "fließen" diese regelrecht wieder zu. Das ist der Grund, weshalb man die Salzlager als Endlagerstätten für gefährliche Abfälle in Betracht zieht.

Das wird aber durch Folgendes erschwert: Schon ein fester Salzsee ist nicht homogen aufgebaut, sondern in sich geschichtet. Denn im ursprünglichen Meerwasser waren ja die verschiedensten Salzbestandteile, also Ionen, vermischt. Die mengenmäßig wichtigsten sind Na+, K+, Ca2+ und Mg2+ sowie Cl-, HCO3- und SO42-. Sie können untereinander zu allen möglichen Salze kombiniert werden. Entsprechend der Löslichkeit der sich dabei bildenden Salzarten gibt es verschiedene Schichten. Zuerst bildet sich das am schwersten lösliche Salz (meistens Kalkstein), dann der Gips und das Steinsalz, zuletzt scheiden sich die am besten löslichen Salze ab (meistens Kalium/Magnesium-Verbindungen). Letztere liegen dann oben. Will man an das Kochsalz herankommen, muss man erst die Kali- sowie Magnesiumsalze abräumen. Allerdings ist das so freigelegte Steinsalz nicht rein. Kochsalzschichten wechseln sich im allgemeinen noch mit Gips ab - und das manchmal sogar im Tagesrhythmus! Kompliziert wird das Ganze noch dadurch, dass es wiederholt zu Überflutungen des trockenen Salzsees gekommen ist, die wieder für neue Schichtungsfolgen gesorgt haben.

Was hat es mit dem Himalaja-Salz auf sich?
Dem werden allerlei sagenhafte Eigenschaften nachgesagt. Da hört man den Yeti und den Dalai Lama sowie einen bekannten grünen Bergsteiger gemeinsam raunen...
Dieses Salz stammt aus der gleichen geologischen Epoche wie das von Gorleben und hat eine ähnliche Zusammensetzung. Kein Wunder - waren doch damals alle Kontinente zu einer Landmasse zusammengewachsen. Dieses sagenhafte Gondwanaland brach dann auseinander. Die Bruchschollen gruppierten sich zu den Kontinenten, die wir heute auf dem Globus sehen.

Die wohl mit der Gewänderfarbe der buddhistischen Mönche verbundene, vielgerühmte geheimnisvolle gelborangene Farbe rührt mitnichten von Eisenverbindungen her, sondern von Kaliumatomen, die aufgrund ihrer natürlichen Radioaktivität im Salz entstanden sind. (Kalium ist ein ß+-Strahler und wandelt sich dabei in Argon um.) Sie adsorbieren aus dem weißen Licht den violetten Anteil, den sie auch ausstrahlen, wenn sie angeregt werden. (Aus dem gleichen Grund ist Natrium-haltiges Steinsalz blau.)

Helfen tut Himalaja-Salz nur dem pfiffigen Importeur - wahrlich ein "Importeuer"...


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Letzte Überarbeitung: 10. August 2009, Dagmar Wiechoczek